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Wärmebrücken im Bestand: Zuschlag, Nachweis und typische Stellen

Eine Wärmebrücke ist ein örtlich begrenzter Bereich der wärmeübertragenden Hülle, in dem die Wärmestromdichte höher ist als im ungestörten Nachbarbauteil. Das hat zwei Folgen: Es geht mehr Wärme verloren, und die raumseitige Oberfläche wird kälter. Ab einer relativen Luftfeuchte von 80 % an der Oberfläche besteht die Gefahr von Schimmelpilzbefall. Das Recht behandelt beides getrennt, den Energieverlust in der Bilanz und die Oberfläche über den Mindestwärmeschutz.

Was das Gesetz regelt, und für welche Gebäude

§ 12 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) besteht aus einem Satz: Ein Gebäude ist so zu errichten, dass der Einfluss konstruktiver Wärmebrücken auf den Jahres-Heizwärmebedarf nach den anerkannten Regeln der Technik und den im Einzelfall wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen so gering wie möglich gehalten wird. Auch § 11 zum Mindestwärmeschutz richtet sich ausdrücklich an zu errichtende Gebäude. § 24 ordnet an, dass der verbleibende Einfluss bei der Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs zu berücksichtigen ist, und verweist für Zuschläge auf DIN 4108 Beiblatt 2 in der Ausgabe 2019-06.

Für Änderungen an bestehenden Gebäuden enthält § 36 keinen eigenen Wärmebrückensatz. Er verlangt, dass die betroffenen Flächen eines erneuerten Außenbauteils die U-Werte der Anlage 7 nicht überschreiten. Relevant wird der Zuschlag, wenn ein bestehendes Gebäude nach § 38 bilanziert wird. Dessen Absatz 3 verlangt bei den Berechnungen die Beachtung der §§ 22 bis 30, und dazu gehört § 24.

Drei Zuschläge im Vergleich

Ansatz ΔUWB in W/(m²K) Voraussetzung
Pauschal 0,10 kein Nachweis; gilt auch, wenn die Details von den Beiblatt-Beispielen abweichen
Kategorie A 0,05 Gleichwertigkeitsnachweis, nur Kategorie A bestätigt
Kategorie B 0,03 alle Details entsprechen Kategorie B
Detailnachweis berechnet sämtliche Wärmebrücken simuliert

Der Zuschlag wird auf die gesamte Hüllfläche angesetzt. Zur Größenordnung: Der Höchstwert für den spezifischen Transmissionswärmeverlust liegt nach § 38 Absatz 2 bei einem freistehenden Wohngebäude bis 350 m² Gebäudenutzfläche bei 0,40 W/(m²K); in der Bewertung bestehender Gebäude darf er um bis zu 40 Prozent überschritten werden. Ein pauschaler Zuschlag von 0,10 beansprucht rechnerisch ein Viertel des Höchstwerts, 0,05 ein Achtel.

Was der Gleichwertigkeitsnachweis verlangt

Das Beiblatt 2 wurde 2019 neu gefasst und enthält 399 Ausführungsbeispiele in 27 Anschlussgruppen, darunter Bodenplatte, Deckenplatte, Fensteranschlüsse, Rollladenkästen und Dachanschlüsse. Laut DIN Media ist es durch die Berichtigung 1 von 2025-02 berichtigt. Der Nachweis läuft in drei Stufen:

  1. Das Detail stimmt bildlich mit der Vorlage der Norm überein; die Vorgaben werden übernommen.
  2. Es weicht ab; dann wird der Nachweis über die Gegenüberstellung der Wärmedurchlasswiderstände R der einzelnen Schichten geführt.
  3. Auch das gelingt nicht; dann muss der Nachweis rechnerisch erbracht werden.

Weichen nur einzelne Wärmebrücken von Kategorie B ab, werden diese berechnet und zum Zuschlag von 0,03 addiert. Bestandsdetails, die mit keiner Vorlage übereinstimmen, landen damit schnell beim pauschalen Wert oder bei der Einzelberechnung.

Zwei Kenngrößen, die man nicht verwechseln sollte

Zur Einordnung einer Wärmebrücke braucht man zwei voneinander unabhängige Größen: die zusätzlichen Wärmeverluste und die raumseitige Oberflächentemperatur. Die Verluste beschreibt der Wärmebrückenverlustkoeffizient, bei linienförmigen Wärmebrücken in W/(mK), bei punktförmigen in W/K. Berechnen lässt er sich nur mit leistungsfähigen Computerprogrammen; in der Praxis nimmt man ihn aus Wärmebrücken-Atlanten.

Der Zuschlag gehört zur ersten Größe und mittelt über die ganze Hülle. Er sagt nichts darüber, wie kalt die ungünstigste Stelle ist. Nach Beiblatt 2 dürfen einige Details in der energetischen Betrachtung vernachlässigt werden, sofern der Mindestwärmeschutz erfüllt ist, etwa Durchdringungen durch Holzsparren oder Pfetten, Steckdosen und Leitungsschlitze, Lüftungsrohre oder einzelne Türanschlüsse in der Hüllfläche von Wohngebäuden.

Typische Stellen im Bestand

Stelle Ursache
Fensterlaibung, Sturz, Rollladenkasten Querschnittsveränderung im Bauteil; Fensteranschlüsse zählen zu den häufigsten Wärmebrücken
Sockel, Mauerfuß Anschluss von Bodenplatte und Fundament an die Außenwand
Balkonplatte auskragendes Bauteil durchstößt die Dämmebene
Außenecke geometrisch: In ungedämmten Raumecken liegt die Oberflächentemperatur etwa 2 bis 3 K unter der angrenzenden Wandfläche
Dübel im Wärmedämmverbundsystem punktuell höhere Wärmeströme

Eine durchgehende außenseitige Dämmebene reduziert den Einfluss von Wärmebrücken nach BauNetz Wissen sinnvoll. Bauteile wie Balkonplatten, Attiken oder die Dämmebene durchstoßende Konsolen müssen thermisch getrennt oder allseitig gedämmt werden. Die DIN 4108-2 nimmt darauf direkt Bezug; ohne zusätzliche Wärmedämmmaßnahmen ist die Ausführung thermisch nicht getrennter Bauteile unzulässig, schreibt BauNetz Wissen. Wo nur von innen gedämmt werden kann, bleiben die einbindenden Bauteile ein Thema; dazu der Beitrag zur Innendämmung im Bestand. Ob eine Stelle zum Schimmelrisiko wird, entscheidet die raumseitige Oberflächentemperatur, wie der Beitrag zum Schimmelkriterium zeigt.

Für eine Bestandsaufnahme ergibt sich daraus eine einfache Reihenfolge: zuerst die Stellen aus der Tabelle am Gebäude lokalisieren, dann je Detail prüfen, ob eine Vorlage des Beiblatts passt, und erst danach festlegen, ob Kategorie A, Kategorie B, der pauschale Wert oder eine Berechnung für die Bilanz trägt. Wer mit dem pauschalen Wert beginnt, kann die Details später einzeln nachweisen und den Zuschlag senken.

Offene Frage: welche Ausgabe gilt

§ 11 GModG nennt für den Mindestwärmeschutz noch DIN 4108-2: 2013-02. Laut DIN Media ersetzt die Ausgabe DIN 4108-2:2026-05 diese Fassung. Ob und wann das Gesetz die neue Ausgabe übernimmt, ist offen. Für Planer heißt das: Vor einem Nachweis klären, welche Ausgabe der Norm, des Beiblatts 2 und der Förderbedingungen für das Vorhaben maßgeblich ist, und den Zuschlag nur mit dem Wert ansetzen, den der Nachweis wirklich trägt.


Quellen