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Amortisation sauber rechnen: Einsparung, Preis, Zins, Förderung

Die einfache Amortisationszeit, also Investition geteilt durch jährliche Einsparung, liefert eine Zahl, aber noch kein Urteil. Jede der drei Größen darin ist eine Annahme, und zwei davon verändern sich über die Jahre. Dieser Beitrag zeigt ein Rechenmodell, das Förderung, Energiepreisentwicklung und Kapitalkosten sichtbar macht, mit einem bewusst neutralen Zahlenbeispiel.

Das Rechenmodell

  • I: Investition brutto abzüglich Förderung, soweit sie zu Beginn fließt.
  • E: jährliche Einsparung in Kilowattstunden, als Differenz des berechneten Bedarfs vor und nach der Maßnahme. Wie weit eine solche Rechnung trägt, steht im Beitrag Gradtagzahlverfahren: Grenzen.
  • p und g: Energiepreis im ersten Jahr in Euro je Kilowattstunde und jährliche Preisveränderung.
  • z: Kalkulationszins, also die Verzinsung der besten Alternative oder der Kreditzins.

Die Einsparung im Jahr t beträgt E · p · (1 + g)t−1. Geteilt durch (1 + z)t ergibt sich ihr Barwert. Die dynamische Amortisationszeit ist das Jahr, in dem die Summe dieser Barwerte I erreicht. Die formale Grundlage für Wirtschaftlichkeitsrechnungen gebäudetechnischer Anlagen bildet VDI 2067 Blatt 1 (Ausgabe 2012-09, kostenpflichtig).

Eingangsgrößen mit belegten Referenzen

Energiepreis

Das Statistische Bundesamt nennt für das erste Halbjahr 2026 einen durchschnittlichen Erdgaspreis privater Haushalte von 11,58 Cent je Kilowattstunde. Die Spanne nach Verbrauchsgruppe reicht von 10,92 Cent (über 200 Gigajoule im Jahr) bis 15,17 Cent (unter 20 Gigajoule). Die erhobenen Preise enthalten Grund- und Arbeitspreis sowie Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen.

Gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 stiegen die Gaspreise für Haushalte um 80,7 %, gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 lagen sie 4,5 % niedriger. Für Nicht-Haushalte nennt Destatis bereits erste Auswirkungen der Krise in der Meerenge von Hormus. Ein einzelner Preis für die nächsten 20 Jahre ist deshalb eine Annahme, keine Beobachtung.

CO2-Preis

Für 2026 legt § 10 Absatz 2 Brennstoffemissionshandelsgesetz einen Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Emissionszertifikat fest. Ein Zertifikat berechtigt zur Emission einer Tonne Kohlendioxidäquivalent. Für Erdgas ergibt sich aus den Standardwerten der Emissionsberichterstattungsverordnung 2030 (3,2508 GJ/MWh und 0,0558 t CO2/GJ) eine eigene Umrechnung von rund 0,18 Tonnen je Megawattstunde, also etwa 1,0 bis 1,2 Cent je Kilowattstunde bei 55 bis 65 Euro je Tonne.

Ob dieser Anteil im verwendeten Gaspreis bereits steckt, ist zu prüfen, damit er nicht doppelt gezählt wird. Wie der Preis ab 2027 gebildet wird, hängt nach § 10 Absatz 3 von einer Rechtsverordnung ab; Annahmen dazu gehören ausdrücklich als Szenario in die Rechnung.

Förderung und Kapitalkosten

Der BEG-Zuschuss für die Gebäudehülle beträgt im Grundsatz 15 % der förderfähigen Ausgaben und fließt erst nach dem Verwendungsnachweis. Die Steuerermäßigung nach § 35c EStG verteilt sich mit 7, 7 und 6 Prozent der Aufwendungen auf drei Jahre. Beides verschiebt den Zeitpunkt der Entlastung, was in einer dynamischen Rechnung zählt. Für den Zins gibt es keinen amtlichen Referenzwert; er folgt aus der Finanzierung oder der entgangenen Anlage.

Zahlenbeispiel mit frei gewählten Annahmen

Alle Werte außer dem Gaspreis sind frei gewählt und stehen für kein Produkt: Investition 20.000 Euro brutto, davon vollständig förderfähig, Einsparung 8.000 Kilowattstunden Erdgas im Jahr, Preis 11,58 Cent je Kilowattstunde. Die Einsparung im ersten Jahr beträgt damit 926 Euro. Ein Zuschuss von 15 % senkt I auf 17.000 Euro.

Rechenweg Annahmen Amortisationszeit
einfach ohne Förderung 21,6 Jahre
einfach mit 15 % Zuschuss 18,4 Jahre
dynamisch mit Zuschuss, Preis konstant, Zins 3 % 27,1 Jahre
dynamisch mit Zuschuss, Preis +2 % jährlich, Zins 3 % 20,8 Jahre
dynamisch ohne Zuschuss, Preis +2 % jährlich, Zins 3 % 24,9 Jahre

Im Szenario „mit Zuschuss, Preis +2 %, Zins 3 %“ verschieben schon die Eingangsgrößen das Ergebnis deutlich. Bei 6.000 statt 8.000 eingesparten Kilowattstunden wären es 28,8 Jahre, bei 10.000 Kilowattstunden 16,3 Jahre. Mit dem Destatis-Preis von 10,92 Cent statt 11,58 Cent ergeben sich 22,2 Jahre, mit 15,17 Cent 15,5 Jahre.

Was die einfache Amortisationszeit nicht zeigt

  • Zeitwert des Geldes: Im Beispiel liegt der einfache Wert 2,4 Jahre unter dem dynamischen, obwohl dieser bereits eine Preissteigerung enthält.
  • Nutzungsdauer: Die BEG verlangt mindestens zehn Jahre zweckentsprechende Nutzung; ob die Maßnahme danach noch wirkt, sagt die Zahl nicht.
  • Ohnehin-Kosten: Fällige Instandsetzungen, etwa an Putz oder Anstrich, gehören nur mit ihren Mehrkosten in die Investition.
  • Förderdeckel: Die BEG begrenzt förderfähige Ausgaben je Wohneinheit; wer mehr investiert, erhält auf den Rest keinen Zuschuss.
  • Nicht-energetische Effekte: Behaglichkeit, Feuchteschutz und Werterhalt haben keinen Preis in der Formel.
  • Berechnet statt gemessen: Das tatsächliche Nutzerverhalten und die Witterung weichen vom Rechenansatz ab.

Was daraus folgt

Ein Angebot sollte mit einer Spanne gerechnet werden: niedrige, mittlere und hohe Einsparung, jeweils mit konstantem und steigendem Preis. Ein Ergebnis, das nur in einem Szenario trägt, ist eine Wette auf den Energiepreis. Offen bleibt in jedem Einzelfall, welchen Preispfad die Entscheidung tragen soll.


Quellen