In-situ-U-Wert-Messung an einer PScoat-Wand: Was sie zeigt, was nicht
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Am 6. und 7. September 2026 wurde an einer historischen Massivwand mit rund 0,5 mm PScoat-Beschichtung knapp zwölf Stunden lang der U-Wert aufgezeichnet. Der Messbericht PSC-U-2026-001 der Anbieterin nennt für ein zweistündiges Auswertefenster einen Mittelwert von 0,140 W/(m²K). Der Bericht legt Messaufbau und Randbedingungen offen.
Messobjekt und Messaufbau
| Messobjekt | historische massive Außenwand, im April 2025 beschichtet; Messstelle in einer normalen Wandfläche, etwa 1 m neben einem Fenster |
|---|---|
| Wandaufbau, außen nach innen | PScoat-Beschichtung, ca. 5 mm Armierungsmörtel mit Gewebe, Zement- bzw. Kalkzementputz, dreilagiges Vollziegelmauerwerk, innen Zementputz mit Acrylwandfarbe |
| Beschichtung | ca. 0,5 mm; laut Bericht „Basic B + PSC Build (Stand 2024)“, ca. 18 l auf ca. 35 m² |
| Messsystem | Testo 635-2 mit U-Wert-Kit, kontinuierliche Aufzeichnung |
| Zeitraum | 06.09.2026 20:57 Uhr bis 07.09.2026 08:54 Uhr (11 h 57 min), 42.978 auswertbare Datensätze |
| Randbedingungen | Heizung aus, Fenster geschlossen, nach 23:00 Uhr keine Personenbewegung im Raum; Raumtemperatur zu Beginn etwa 26 °C |
| Messgrößen | Temperatur der Wandinnenoberfläche, der Innenluft und der Außenluft |
Was gemessen wurde
| Auswertefenster | Mittelwert | Median | Std.-abw. | Min. | Max. |
|---|---|---|---|---|---|
| 01:15–03:15 Uhr | 0,140 | 0,139 | 0,016 | 0,111 | 0,177 |
| 05:00 Uhr bis Messende | 0,195 | 0,183 | 0,044 | 0,105 | 0,293 |
Alle Werte in W/(m²K), Quelle: Tabelle im Messbericht. Der Beginn der Aufzeichnung fließt nicht ein: Der Außenfühler lag zunächst noch im Innenraum, der berechnete U-Wert war dadurch deutlich zu hoch. Der Bericht behandelt diese Phase als Einrichtungsphase und nicht als Ergebniswert der Wand.
Die Zahl hängt damit vom gewählten Auswertefenster ab: 0,140 W/(m²K) in der ersten, 0,195 W/(m²K) in der zweiten Auswertephase.
Der abgeleitete Lambda-Vergleichswert
Aus dem U-Wert rechnet der Bericht einen äquivalenten Wärmeleitfähigkeitswert der Beschichtung zurück. Als Ausgangswert der Wand setzt er U = 1,60 W/(m²K) an, einen „üblichen, fachlich plausiblen Referenzwert“.
Die Beispielrechnung im Bericht verwendet U = 0,20 W/(m²K): Gesamtwiderstand 5,000 m²K/W, abzüglich 0,625 m²K/W der unbeschichteten Wand, bleiben 4,375 m²K/W; geteilt durch die Dicke von 0,5 mm ergibt das etwa 0,000114 W/(m·K). Die direkte Rückrechnung liefert 0,000077 W/(m·K) aus dem ersten und 0,000111 W/(m·K) aus dem zweiten Fenster. Der Bericht rundet auf etwa 0,0001 W/(m·K) und stellt klar, dass dieser Wert kein im Labor bestimmter Materialkennwert ist.
Rechnerisch gilt λ = d / ΔR: Bei gleichem gemessenen Zusatzwiderstand wäre der Wert für eine doppelt so dicke Schicht doppelt so hoch. Ein solcher Vergleichswert gehört deshalb immer zur untersuchten Dicke und zum untersuchten Bauteil.
Einordnung
Der Bericht dokumentiert eine Wand über knapp zwölf Stunden und versteht sich als technische Auswertung; eine akkreditierte Laborprüfung, Zertifizierung oder bauaufsichtliche Bewertung ersetzt er nicht. Der Bericht empfiehlt, eine Übertragung auf andere Wandaufbauten technisch zu prüfen. Wie In-situ-Messungen grundsätzlich einzuordnen sind, beschreibt der Beitrag Was ein Wärmebild belegt – und was nicht für die Thermografie.
Quellen
- PScoat – In-situ-U-Wert-Messung, Technischer Messbericht PSC-U-2026-001 – Messreihe 06./07. September 2026
- Wirkprinzip: Strahlung statt Dämmstoffdicke – abgerufen am 30.10.2026
- PScoat Nachweise: Prüfberichte, Messungen, Zertifikate – Stand: 12.10.2026
- Systemhandbuch PSC-FAS-001 Nanofassadendämmung (Fassade) – Version 1.0, Ausgabe Juni 2026
- Hauser/Kersken/Schade/Sinnesbichler: Experimentelle und theoretische Untersuchungen von Infrarot reflektierenden Dämmmaterialien, Bauphysik 33 (2011), Heft 1 – Bauphysik 33 (2011), Heft 1, S. 33–42