Wärmeleitfähigkeit bei dünnen Beschichtungen: Lambda-Angaben lesen
Maqola bo'ylab o'tish
Bei einer Beschichtung von rund einem Millimeter Dicke hängt ein Wärmeschutzargument an einer Frage: Worauf bezieht sich der Lambda-Wert? Der Zusammenhang ist einfach, der Wärmedurchlasswiderstand ergibt sich aus Dicke geteilt durch Wärmeleitfähigkeit, R = d / λ. Bei Schichten im Zehntelmillimeterbereich bestimmt deshalb jede Annahme über Dicke und Messweg das Ergebnis mit.
Drei Wege, drei verschiedene Aussagen
| Weg | Was bestimmt wird | Rückfrage an die Angabe |
|---|---|---|
| Plattengerät und Wärmestrommessplatten-Gerät (DIN EN 12667, DIN EN 12664) | Wärmedurchlasswiderstand von Baustoffen und Bauprodukten | Welche Probe, welche Dicke, welcher Feuchtezustand? |
| Hot-Box-Verfahren | Wärmedurchlasswiderstand des Aufbaus, im IBP-Versuch mit vertikal eingebauter Dämmung | Welcher Aufbau, welche Einbaulage? |
| In-situ-Messung (ISO 9869) | Wärmedurchlasswiderstand und Wärmedurchgangskoeffizient am Bauteil | Wie lange, bei welchen Randbedingungen, welcher Ausgangswert? |
Die Normen EN 12667 (Produkte mit hohem und mittlerem Wärmedurchlasswiderstand) und EN 12664 (trockene und feuchte Produkte mit mittlerem und niedrigem Wärmedurchlasswiderstand) führt die Normenübersicht von Baunetz Wissen mit der Ausgabe 2001-05; die aktuelle Fassung ist beim Normenverlag zu prüfen.
Dass der Messweg das Ergebnis verschiebt, zeigt eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik an IR-reflektierenden Dämmfolien. Nach dem Hot-Box-Verfahren, bei dem die Dämmung vertikal eingebaut wird, ergab sich ein doppelt so hoher Wert wie im Plattengerät, in dem die Dämmung horizontal zusammengedrückt eingebaut ist: 1,00 gegenüber 0,5 m²K/W. Das ist ein anderes Produkt, aber dieselbe Lehre: Verfahren und Einbaulage gehören zur Angabe.
Systemwert statt Materialkennwert
Für das PScoat-System weist die Anbieterin keinen Materialkennwert nach EN 12667 aus, sondern einen äquivalenten Systemwert. Die CE-Kennzeichnung nennt dafür das Hotbox-Verfahren und hält fest, die Werte stellten Systemleistungswerte dar und entsprächen nicht der Wärmeleitfähigkeit eines Materials im Sinne von EN 12667 oder EN 12664. Auf der Nachweise-Seite beschreibt die Anbieterin den Wert als aus dem Prüfstandversuch abgeleiteten Systemwert für die geprüfte Schichtdicke von 0,35 mm, der sich nicht linear auf andere Dicken übertragen lasse.
Das Systemhandbuch geht noch weiter. Die Systemleistungswerte seien keine bauaufsichtlich verwendbaren Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit, und da kein Material-λ nach EN 12667/12664 vorliege, lasse sich das System nicht ohne Weiteres in eine U-Wert-Berechnung einsetzen. Auch der Messbericht PSC-U-2026-001 liefert nur einen abgeleiteten Vergleichswert und stellt klar, dass er kein im Labor bestimmter Materialkennwert ist.
Was eine Rückrechnung leistet
Ein äquivalenter Lambda-Wert entsteht, indem man aus einem gemessenen U-Wert den Zusatzwiderstand der Schicht bestimmt und durch deren Dicke teilt: λ = d / (1/Uneu − 1/Ualt). Im Messbericht ergibt sich so aus U = 0,20 W/(m²K) bei 0,5 mm ein Wert von etwa 0,000114 W/(m·K), aus dem stabilen Messfenster mit U = 0,140 W/(m²K) dagegen etwa 0,000077 W/(m·K). Eine Änderung des U-Werts um 0,06 W/(m²K) verschiebt das Ergebnis also um rund ein Drittel.
Der Wert ist damit nur so belastbar wie drei Eingangsgrößen: der gemessene Endwert, der angesetzte Ausgangswert der Wand und die Dicke. Die Nachweise-Seite bezieht sich auf die geprüfte Schichtdicke von 0,35 mm, der Messbericht auf 0,5 mm; jeder Wert gehört zu seiner Dicke und seinem Bauteil. Ein Lambda ohne Dickenangabe ist nicht zu vergleichen.
Fünf Fragen an ein Datenblatt
- Materialkennwert oder Systemwert? Steht die Prüfnorm dabei, etwa EN 12667 oder EN 12664?
- Woher stammt der Wert? Aus einem Prüfzeugnis, einem Hotbox-Versuch, einem Prüfstand oder einer Feldmessung?
- Welche Dicke und welcher Aufbau gehören dazu? Darf der Wert auf andere Dicken übertragen werden?
- Wer hat wann gemessen? Liegt der Prüfbericht bei, oder wird er nur „auf Anfrage“ bereitgestellt?
- Ist der Wert ein Bemessungswert für Nachweise? Für das PScoat-System verneint das Handbuch dies ausdrücklich.
Auch die Klassenangaben im Datenblatt gehören dazu; wie sie zu lesen sind, erklärt der Beitrag Datenblatt lesen: Was V- und W-Klassen wirklich sagen.
Quellen
- Baunetz Wissen: Normenübersicht Wärmedämmstoffe (DIN EN 12667, DIN EN 12664, ISO 8301/8302) – Normausgaben laut Übersicht, u. a. 2001-05
- Hauser/Kersken/Schade/Sinnesbichler: Experimentelle und theoretische Untersuchungen von Infrarot reflektierenden Dämmmaterialien, Bauphysik 33 (2011), Heft 1 – Bauphysik 33 (2011), Heft 1, S. 33–42
- CE-Kennzeichnung PSC 250 T (EN 15824), Leistungserklärung Nr. PSC250T-2026-01 – 07/04/2026
- PScoat Nachweise: Prüfberichte, Messungen, Zertifikate – Stand: 12.10.2026
- Systemhandbuch PSC-FAS-001 (Kapitel 24: Bauphysikalische Einordnung & Grenzen) – Version 1.0, Ausgabe Juni 2026
- Wirkprinzip: Strahlung statt Dämmstoffdicke – abgerufen am 30.10.2026
- Was kann PScoat wirklich? (Infos) – abgerufen am 30.10.2026
- PScoat – In-situ-U-Wert-Messung, Technischer Messbericht PSC-U-2026-001 – Messreihe 06./07. September 2026