דילוג לתוכן

Fassadenrisse: überbrücken, armieren oder sanieren – so wird entschieden

„Wie breit ist der Riss?“ ist meist die erste Frage und selten die, die den Ausschlag gibt. Wichtiger sind drei andere: Woher kommt der Riss, bewegt er sich noch, und dringt durch ihn Wasser ein? Erst danach entscheidet sich, ob ein Anstrich genügt, ein Armierungsgewebe nötig ist oder die Ursache bauliche Arbeit verlangt.

Rissarten und ihre Ursachen

Das Rissbild verrät oft die Ursache. Die Tabelle fasst zusammen, was Baunetz Wissen und das Fraunhofer IBP dazu festhalten.

Rissbild Typische Ursache Einordnung
Netzartige Risse im Putz eines Wärmedämmverbundsystems Putz und Dämmplatte dehnen sich bei Sonneneinstrahlung unterschiedlich; die Bewehrung versagt durch mangelhaftes Material oder ungenügende Einbettung Bewehrung soll solche Risse normalerweise auffangen (Baunetz)
Risse entlang der Dämmplattenfugen Starkes Nachschwinden der Dämmplatten Laut IBP systemspezifisch, aber lediglich eine optische Beeinträchtigung
Kerbrisse an Fenster- und Türecken, Fensterbänken, Rollladenkästen Spannungsspitzen an Öffnungen Laut IBP nicht systemspezifisch, in der Regel optisch zu bewerten
Vertikale und horizontale Risse zwischen Wand und Decke Verformungsunterschiede durch Schwinden, Erwärmen oder Quellen Vermeidbar durch Dehnungsfugen (Baunetz)
Blasen, Risse, Abplatzungen im Putz Ungenügende Haftung auf dem Untergrund, unterschiedliche Wärmedehnung, chemische Reaktionen Ursache im Putzaufbau klären, nicht überstreichen
Blasen und netzartige Risse nach einem Anstrich Ungeeigneter Anstrich auf dem System IBP: Beispiel für die Bedeutung systemkompatibler Materialwahl

Die IBP-Aussagen zu Fensterecken und Plattenstößen stammen aus Überprüfungen von Wohnbauten mit Polystyrol-Hartschaum-WDVS und Kunstharzputz (1975/76, 1983, 1995). Laut IBP sind die Ergebnisse auf mineralische Systeme übertragbar.

Erst klären: Ist der Riss zur Ruhe gekommen?

Für Mauerwerksrisse empfiehlt Baunetz Wissen ein gestuftes Vorgehen. Ein entstandener Riss kann vorläufig mit Fugendichtstoff geschlossen werden. Wenn Risse schon sehr lange existieren und sich nicht mehr verändern werden, sollte der bisherige Putz durch gewebebewehrten Putz erneuert werden.

Das Kriterium ist also die Bewegung, nicht die Breite. Ob ein Riss noch arbeitet, lässt sich nur durch wiederholtes Messen an markierten Stellen feststellen. Wie lange das im Einzelfall nötig ist, hängt von der Ursache ab.

Drei Wege: überbrücken, armieren, sanieren

Weg Wann er passt Was belegt ist
Überbrücken Ruhige, feine Risse ohne Funktionsschaden, etwa Plattenstoßrisse nach dem Nachschwinden IBP: Plattenstoßrisse, die anfangs durch Nachschwinden entstanden, können durch einen rissefüllenden Anstrich dauerhaft überdeckt werden. Rissüberbrückung bezeichnet die Fähigkeit eines Materials, Untergrundrisse zu überbrücken, ohne dass Funktion oder Integrität leiden.
Armieren Ruhige Risse, die größer oder häufiger sind; Blasen und Ablösungen der Beschichtung Baunetz: Bei lange bestehenden, unveränderten Rissen den Putz durch gewebebewehrten Putz erneuern. IBP führt zusätzliche armierte Putzschichten und armierte Beschichtungen als Instandhaltungsmaßnahmen auf; in drei Fällen hätte allerdings auch ein Anstrich genügt. Armierung ist also keine Pflichtmaßnahme.
Sanieren Risse mit bewegter Ursache oder fehlender Haftung des Putzes Baunetz: Dehnungsfugen zwischen Wand und Decke vermeiden Verformungsunterschiede; ein entstandener Riss lässt sich vorläufig mit Fugendichtstoff schließen. Bei Haftungsmängeln ist die Ursache im Putzaufbau zu klären, bevor beschichtet wird.

Welche Rissbewegung eine Beschichtung überbrückt, ist eine Systemeigenschaft. Das Prüfverfahren dafür beschreibt DIN EN 1062-7 „Bestimmung der rissüberbrückenden Eigenschaften“ (Ausgabe 2004-08). Das Ergebnis gehört ins Datenblatt des jeweiligen Systems; wie man solche Angaben liest, zeigt der Beitrag Datenblatt lesen: V- und W-Klassen.

Warum Rissbreiten nur systemgebunden gelten

Zahlen zur Rissbreite stehen immer im Zusammenhang eines Systems. Ein Beispiel aus einer DIBt-Zulassung für ein Beschichtungssystem auf Stahlbeton in Auffangwannen (nicht für Fassaden): Das System überbrückt dauerhaft Risse bis 0,4 mm Breite; vorhandene Risse über 0,2 mm sind vor dem Beschichten zu schließen oder auszubessern, nachdem ihre Ursachen beseitigt wurden. Zwei Grenzen also: eine, die das System leistet, und eine, ab der vorbereitet werden muss.

Für Fassadenbeschichtungen gelten diese Werte nicht. Sie zeigen nur, dass man beide Grenzen im Datenblatt oder in der Zulassung des gewählten Systems nachschlagen muss, statt eine pauschale Millimeterzahl anzusetzen.

Wann Wasser zum Problem wird

DIN 4108-3 stellt den Regenschutz bei Schlagregenbeanspruchung in den Vordergrund, damit Wasser nicht durch Risse oder kapillares Saugen von der Oberfläche in die Konstruktion gelangt. Baunetz Wissen beschreibt drei Beanspruchungsgruppen; Außenputze ohne besondere Anforderungen an die Schlagregenbeanspruchung können nur in Regionen der Gruppe I eingesetzt werden, für die Gruppen II und III muss ein wasserabweisender Putz zur Ausführung kommen. Das spricht dafür, die Beanspruchungsgruppe des Standorts in die Bewertung eines Risses einzubeziehen.

Beim untersuchten Polystyrol-WDVS beeinflussten Putzrisse laut IBP den Feuchtegehalt der Dämmschicht nicht, weil der Dämmstoff nicht hygroskopisch und nicht saugfähig ist; Folgeschäden waren nicht zu erwarten. Bei saugfähigen Untergründen oder Dämmstoffen kann das anders liegen.

Was vor der Beschichtung festzuhalten ist

  • Rissverlauf und Lage (Fensterecken, Plattenstöße, Fläche) fotografisch festhalten.
  • Rissbewegung prüfen und das Ergebnis notieren.
  • Ursache benennen: Schwinden, Wärmedehnung, Haftung, Bewehrung.
  • Gewählte Maßnahme begründen und mit dem Datenblatt abgleichen.
  • Bedenken gegen einen vom Auftraggeber verlangten Anstrich auf bewegten Rissen schriftlich anmelden, möglichst vor Beginn der Arbeiten. Der Beitrag Untergrund prüfen nach VOB und BFS beschreibt die Form.

Offen bleibt in vielen Fällen die Frage, wie lange ein Riss beobachtet werden muss, bevor man ihn als ruhig einstuft. Dafür gibt es keine feste Regel; sie hängt von Ursache, Bauteil und Jahreszeit ab und gehört deshalb in die Dokumentation der Entscheidung.


Quellen