{"id":383,"date":"2026-10-30T16:19:14","date_gmt":"2026-10-30T15:19:14","guid":{"rendered":"https:\/\/powersmartcoat.de\/?p=383"},"modified":"2026-10-30T16:38:30","modified_gmt":"2026-10-30T15:38:30","slug":"fassade-nachtliche-unterkuehlung-tauwasser-algen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/fassade-nachtliche-unterkuehlung-tauwasser-algen\/","title":{"rendered":"Sous le point de ros\u00e9e la nuit\u00a0: condensation et algues sur fa\u00e7ades isol\u00e9es"},"content":{"rendered":"<p>Algen auf einer frisch ged\u00e4mmten Fassade sehen nach einem D\u00e4mmfehler aus. Bauphysikalisch ist es ein Oberfl\u00e4chenproblem: Die d\u00fcnne Au\u00dfenschicht eines W\u00e4rmed\u00e4mmverbundsystems (WDVS) ist vom warmen Mauerwerk thermisch abgekoppelt und k\u00fchlt zum Nachthimmel hin aus. BauNetz Wissen h\u00e4lt fest, dass die Sch\u00e4den keine Auswirkung auf die Wirksamkeit der D\u00e4mmsysteme haben; optisch sind sie jedoch oft erheblich.<\/p>\n<h2>Was nachts an der Au\u00dfenoberfl\u00e4che geschieht<\/h2>\n<p>Ein WDVS schottet die massiven Bauteile thermisch ab. Da es selbst keine Speichermasse aufweist, k\u00fchlt die Fassade nachts vor allem durch Abstrahlung unter die Lufttemperatur ab, und Tauwasser schl\u00e4gt sich nieder. Nach den Fraunhofer-IBP-Untersuchungen in Bausubstanz 2\/2018 sind daf\u00fcr klare N\u00e4chte entscheidend; die n\u00e4chtliche Taupunktunterschreitung betr\u00e4gt dabei h\u00e4ufig nur wenige zehntel Grad.<\/p>\n<p>Das Fraunhofer IBP hat Freilandmessungen an einem Testhaus aus dem Herbst 1994 im Jahr 2001 neu ausgewertet. Die Westwand hatte 80 mm WDVS auf 240 mm Kalksandstein (U = 0,41 W\/m\u00b2K), die Vergleichsw\u00e4nde bestanden aus 365 mm porosiertem Leichtziegel (U = 0,51 W\/m\u00b2K). Ausgewertet wurden die Monate September und Oktober.<\/p>\n<p>Ergebnis: Die Oberfl\u00e4chentemperatur des WDVS fiel durch n\u00e4chtliche Abstrahlung unter die Au\u00dfenlufttemperatur, die der nach S\u00fcden orientierten monolithischen Wand blieb dar\u00fcber. Nur beim WDVS war mit h\u00e4ufigem n\u00e4chtlichem Tauwasserausfall zu rechnen, bei den monolithischen W\u00e4nden nur in Ausnahmesituationen.<\/p>\n<h2>Vom Tauwasser zum Algenbelag<\/h2>\n<p>Mikroorganismen siedeln sich an, wenn die Oberfl\u00e4che dauerhaft feucht ist, und diese Feuchte entsteht laut BauNetz Wissen \u00fcberwiegend durch Betauung. Entscheidend ist nach dem heutigen Wissensstand nicht die Menge des Tauwassers, sondern das Wasser, das auf der Oberfl\u00e4che f\u00fcr die Mikroorganismen verf\u00fcgbar ist, zumindest f\u00fcr den Beginn des Wachstums. Die kritische Jahreszeit ist der Herbst; im Winter ist es zu kalt, im Sommer zu trocken. Tauwasser f\u00fchrt nach dem IBP in vielen F\u00e4llen erst in Verbindung mit anhaftendem Regenwasser zum Befall; Betauung und Schlagregen addieren sich also.<\/p>\n<ul>\n<li>Nord- und Westseiten sind besonders anf\u00e4llig. Dass auch die schlagregenarme Nordseite betroffen ist, erkl\u00e4rt nach dem IBP nur die n\u00e4chtliche Betauung.<\/li>\n<li>Hydrophobe Oberputze nehmen das Wasser nicht auf; es bildet Tropfen und trocknet sehr langsam ab.<\/li>\n<li>\u00dcber einem Kunststoffd\u00fcbel treten h\u00f6here W\u00e4rmestr\u00f6me auf, die Putzoberfl\u00e4che trocknet dort schneller. Algen fehlt an dieser Stelle die Lebensgrundlage, und die D\u00fcbel zeichnen sich ab.<\/li>\n<li>Nach der IBP-Rechnung lie\u00dfe sich die Betauungsdauer nur mit D\u00e4mmstoffdicken unter 8 cm deutlich verk\u00fcrzen, was die Autoren f\u00fcr nicht durchsetzbar halten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gleichzeitig gilt: Die meisten ausgef\u00fchrten WDVS bleiben ohne Sch\u00e4den. Nur ein geringer Prozentsatz zeigt einen zu beanstandenden Bewuchs.<\/p>\n<h2>Was Planer dagegen kennen<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Ansatz<\/th>\n<th>Prinzip<\/th>\n<th>Einordnung<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Biozide in Putz und Anstrich<\/td>\n<td>t\u00f6ten Mikroorganismen ab<\/td>\n<td>Wirkstoffe waschen aus und belasten die Umwelt; auf der Wetterseite ist die Wirksamkeit begrenzt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Dickerer, hydrophiler mineralischer Putz<\/td>\n<td>mehr Speichermasse; hydrophile Putze nehmen die Feuchtigkeit sofort auf<\/td>\n<td>Messung nach klarer Nacht: auf Standard-WDVS mit wei\u00dfem Anstrich fast doppelt so viel Wasser wie auf wei\u00dfem Dickputz; rechnerisch Taupunktunterschreitung h\u00f6chstens 20 % k\u00fcrzer<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Dunklere Farbt\u00f6ne<\/td>\n<td>mehr Strahlungsgewinn tags\u00fcber<\/td>\n<td>rechnerisch f\u00e4llt die dunkle Fassade nahezu zur gleichen Zeit unter den Taupunkt wie die wei\u00dfe; kaschiert geringen Bewuchs<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Latentw\u00e4rmespeicher (PCM)<\/td>\n<td>Entladung bei sinkender Temperatur verz\u00f6gert die Tauwasserbildung<\/td>\n<td>rechnerisch bis zu 70 % weniger Taupunktunterschreitung, im Freiland nur in manchen Jahren wirksam<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Superhydrophobe Silikonharzfarbe<\/td>\n<td>Wasser perlt ab<\/td>\n<td>IBP-Testfl\u00e4chen nach drei Jahren: Algenbefall nicht nachgewiesen, bei anderen biozidfreien Produkten schwach<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Niedrig emittierende (IR-reflektierende) Anstriche<\/td>\n<td>geringerer n\u00e4chtlicher Temperaturabfall<\/td>\n<td>siehe unten<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Dach\u00fcberst\u00e4nde<\/td>\n<td>weniger Schlagregen<\/td>\n<td>im Einklang mit dem Gestaltungskonzept zu entscheiden<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Prozentangaben lassen sich nicht untereinander vergleichen. Die Werte f\u00fcr Dickputz, IR-Farbe und Latentw\u00e4rmespeicher sind berechnete Effekte f\u00fcr die Zeit von September bis Oktober; der Messwert zum Dickputz stammt von einem Morgen nach einer klaren Nacht. Wer eine Ma\u00dfnahme bewertet, sollte deshalb nach Randbedingungen und Ausrichtung fragen und nicht nach der gr\u00f6\u00dften Zahl.<\/p>\n<h2>Niedriger Emissionsgrad: was gemessen wurde<\/h2>\n<p>Die Idee ist physikalisch einfach: Wer die langwellige Abstrahlung senkt, senkt den n\u00e4chtlichen Temperaturabfall. Die IBP-Rechnung setzt daf\u00fcr einen Emissionskoeffizienten von 0,6 statt 0,9 an; die berechnete Oberfl\u00e4chentemperatur des WDVS blieb in der betrachteten klaren Septembernacht stets oberhalb der Taupunkttemperatur. Was ein Emissionsgrad bei Bauteilen tats\u00e4chlich bedeutet, ordnet der Beitrag <a href=\"https:\/\/powersmartcoat.de\/emissionsgrad-was-er-beschreibt\/\">Was der Emissionsgrad beschreibt<\/a> ein.<\/p>\n<p>Im Freiland zeigten fr\u00fche Anstriche rund 50 % weniger Tauwasseranfall auf der Westfassade, verloren aber durch Abwitterung der Aluminiumpl\u00e4ttchen nach wenigen Monaten ihr Aussehen und wurden silbrig. Zwei weiterentwickelte Systeme, aufgebracht Ende 2011 und drei Jahre sp\u00e4ter, wurden auf West- und Nordwand gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>Auf der Nordwand verk\u00fcrzte das beige-graue System die Betauungsdauer in den Herbstperioden, von der ersten abgesehen, um etwa 25 %, das blau-graue um 10 und 18 %. Das blau-graue System zeigte nach zwei Jahren Bewitterung keinen Versilberungseffekt. Die Autoren folgern, dass eine Reduktion um etwa 25 % die meisten Probleme vermeiden k\u00f6nnte. Eine der vier Autorinnen und Autoren ist Technische Leiterin einer Farbenfabrik.<\/p>\n<p>Welche Grenzen eine Beurteilung von Au\u00dfenoberfl\u00e4chen mit der W\u00e4rmebildkamera hat, erl\u00e4utert der Beitrag <a href=\"https:\/\/powersmartcoat.de\/was-ein-waermebild-belegt-und-was-nicht\/\">Was ein W\u00e4rmebild belegt<\/a>.<\/p>\n<h2>Was offen bleibt<\/h2>\n<p>BauNetz Wissen vermerkt, dass die Entwicklung geeigneter Ma\u00dfnahmen gegen Algen- und Flechtenbefall nicht abgeschlossen ist. Die IBP-Daten sind Messreihen an einem Standort in einzelnen Herbstperioden, die Wirksamkeit h\u00e4ngt vom System, von der Ausrichtung und vom Jahreswetter ab. F\u00fcr die Planung hei\u00dft das: Eine einzelne Ma\u00dfnahme beseitigt das Risiko nicht; sie verringert Betauungsdauer und Wasserangebot. Offen ist vor allem, welche der Ans\u00e4tze sich \u00fcber zehn und mehr Jahre an realen Fassaden bew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Wer am Objekt misst, muss die Gr\u00f6\u00dfenordnung kennen: Bei einer Unterschreitung von wenigen zehntel Grad entscheidet die Messgenauigkeit \u00fcber die Aussage. Das IBP hat f\u00fcr seine Freilandmessungen jeden F\u00fchler vor dem Einbau einzeln kalibriert.<\/p>\n<hr>\n<h3>Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/daemmstoffe\/fachwissen\/schaeden-maengel\/grauschleier-an-fassaden-1117377\" rel=\"noopener\">Grauschleier an Fassaden (BauNetz Wissen D\u00e4mmstoffe)<\/a> \u2013 Seite ohne Datumsangabe; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ibp.fraunhofer.de\/content\/dam\/ibp\/ibp-neu\/de\/dokumente\/ibpmitteilungen\/1-400\/301-400\/382_IBPmitteilung.pdf\" rel=\"noopener\">Algen auf W\u00e4rmed\u00e4mm-Verbundsystemen, IBP-Mitteilung 382 (Fraunhofer IBP)<\/a> \u2013 28 (2001), Neue Forschungsergebnisse, kurz gefa\u00dft; Messzeitraum 16. September bis 24. Oktober 1994<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ibp.fraunhofer.de\/content\/dam\/ibp\/ibp-neu\/de\/dokumente\/publikationen\/ht\/krus-wetterresistenter-ir-anstrich.pdf\" rel=\"noopener\">Einsatz eines neuen wetterresistenten IR-Anstrichs im Vergleich mit anderen Ma\u00dfnahmen zur Reduktion des Bewuchsrisikos an Au\u00dfenfassaden (Krus, Thiel, Born, Fitz; Bausubstanz 2\/2018, Fraunhofer IBP)<\/a> \u2013 Bausubstanz 9 (2018), Heft 2 (April), S. 35\u201343; Messreihen 2012 bis 2015<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/bauphysik\/fachwissen\/waermeschutz\/waermebruecken-arten-4386775\" rel=\"noopener\">W\u00e4rmebr\u00fccken: Arten (BauNetz Wissen)<\/a> \u2013 Seite ohne Datumsangabe; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pourquoi les fa\u00e7ades isol\u00e9es refroidissent la nuit sous la temp\u00e9rature de l&rsquo;air, ce que montrent les mesures de l&rsquo;IBP sur condensation et algues, et les rem\u00e8des.<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":384,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-383","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bauphysik"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/powersmartcoat.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/psc-blog-foto-fassade-nachtliche-unterkuehlung-tauwasser-algen.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/383","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=383"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/383\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":409,"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/383\/revisions\/409"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/media\/384"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=383"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=383"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/powersmartcoat.com/bf\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=383"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}